• Hannah Bröcker

Rückenschmerzen

Aktualisiert: 12. Sept 2019

Die fünf wichtigsten Fakten über Rückenschmerzen

  • Rückenschmerzen sind normal. Rund jede fünfte Person ist jährlich und ungefähr 4 von 5 Personen sind zumindest einmal während ihres Lebens davon betroffen.

  • Rückenschmerzen können bis zu 6 Wochen andauern, verschwinden aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit komplett wieder. Und wenn es mal länger dauert, dann ist das auch nicht gleich besorgniserregend. In 10-25% der Fälle benötigt es nämlich mehr als die standardmäßigen 6 Wochen, bis die Schmerzen wieder weg sind. Jeder Körper hat sein eigenes Tempo und man sollte sich in der Heilungszeit nicht mit anderen Betroffenen vergleichen. Dies gilt übrigens auch für andere Verletzungsarten.

  • Obwohl wir uns tendenziell mehr Sorgen um unseren Rücken machen, sind Schmerzen dort nicht schlimmer als jene in anderen Gelenken, wie z.B. im Knie. Der Rücken ist nicht anfälliger für Schmerzen und es bedarf keine spezielle Extrabehandlung.

  • Schmerzen an sich sind etwas völlig normales und nichts, wovor man Angst haben muss. Vielmehr ist es ein sinnvoller Schutzmechanismus des Körpers, der uns helfen soll. Schmerz hängt nicht damit zusammen, wie der physische Zustand unseres Rückens oder anderen Teilen unseres Körpers ist. Es kann nämlich sein, dass wir Schmerzen haben, obwohl keine signifikante Schädigung vorhanden ist. Eine Schnittwunde, die durch Papier zugefügt wurde, kann auch höllisch weh tun, obwohl sie nicht wirklich bedrohlich für uns ist.

  • Bei akuten Rückenbeschwerden ist auf keinen Fall Bettruhe angesagt, sondern Bewegung! Kurzfristig sollte man schmerzverstärkende Aktivitäten möglichst vermeiden, welche aber unbedingt irgendwann wieder aufgenommen werden sollten. Glücklicherweise sprechen unspezifische Schmerzen in der Regel gut auf Bewegung und Übungen an. Es gibt dabei allerdings keine magische Übung oder Aktivität, die jeden Rücken heilt. Man muss selber herausfinden, was einem gut tut und Spaß macht. Denn nur dann baut man etwas regelmäßig in seinen Alltag ein.


Was sind die Ursachen für Rückenschmerzen?


Die Mehrheit aller Rückenschmerzen (90%) sind unspezifisch, d.h. sie haben keine ernsten Ursachen. Weniger als 1% der Rückenschmerzen sind durch Frakturen, Krebserkrankungen oder andere ernste Erkrankungen hervorgerufen. Nur bei knapp 10% sind spezifische Gewebestrukturen, wie die Bandscheibe oder der Nerv, ursächlich für die Schmerzen. Die Chance, dass tatsächlich etwas am Rücken kaputt ist, ist also eher gering.

Ob man zu den 10% mit einer spezifischen Ursache gehört, können Therapeuten und Ärzte mit bestimmten Tests herausfinden. Bei diesen Tests werden u.a. die Nerven, die Muskelkraft, das Empfinden und die Reflexe überprüft.

Bildgebende Untersuchungen können keine Schmerzen oder Beschwerden darstellen. Stattdessen können sie Betroffene eher verunsichern. Es gibt einige Menschen, die an Rückenschmerzen leiden und man auf den Aufnahmen nichts erkennt. Andersherum gibt es auch auffällige Ergebnisse, obwohl keine Symptome vorhanden sind. Woher der Schmerz genau kommt, bleibt oftmals ungewiss.

Der Begriff «unspezifisch» bedeutet also, dass man die Kreuzschmerzen auf keine bestimmte Struktur oder Pathologie zurückführen kann. In erster Linie ist das schon mal sehr erfreulich und sollte nicht beunruhigend sein. Die Schmerzen, die man empfindet, sind deshalb trotzdem echt und bildet man sich nicht nur ein. Strukturelle Faktoren, wie Hohlkreuz, Beckenstellung, Beinlängendifferenz, Muskellänge und blockierte Wirbel haben übrigens sehr wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Entstehen von Rückenschmerzen.

Es gibt auch viele andere Faktoren, die man oft überhaupt nicht vermuten würde, die die Rückenschmerzen beeinflussen können. Diese Einflussfaktoren können Schlafstörung, Depression, allgemeine Lebensunzufriedenheit, Stress, private/berufliche Probleme, langes Sitzen bzw. Bewegungsmangel, verringerte Belastbarkeit, Angstvermeidungsverhalten, negative Glaubenssätze zum eigenen Rücken und bestimmte tägliche Aktivitäten sein.

Es sieht auch ganz danach aus, als könnte man generell nicht den Stuhl bei der Arbeit, die Matratze im Bett oder die Rumpfstabilität für die Schmerzen verantwortlich machen. Diese Faktoren haben sich bei wissenschaftlichen Untersuchungen nicht bewährt.

Obwohl um dieses Thema bisher wirklich viel geforscht wurde, ist und bleibt der Rückenschmerz ein Rätsel.

Falls man dazu andere Informationen von deinem Therapeuten/deiner Therapeutin bzw. deinem Arzt/deiner Ärztin bekommen hast, dann ist diese Person wahrscheinlich nicht ganz auf dem neuesten Stand der Wissenschaft in diesem Gebiet.



Was hilft gegen Rückenschmerzen?


Generell können Schmerzen im Rücken, wie auch in allen anderen Körperregionen, behandelt und geheilt werden. Es gibt KEINE magische Behandlung, die allen gleichermaßen hilft. Viele verschiedene Behandlungen können allerdings kurzfristig helfen. Das ist aber bei jeder/m Betroffenen unterschiedlich.

Oftmals liegt nicht nur ein beitragender Faktor vor, sondern es kommen mehrere verschiedene Dinge zusammen. Ein kleiner Schmerz kann sich schnell mal durch andere Faktoren, die einen etwas sensibler machen, zu etwas Größerem entwickeln. Nur in sehr wenigen Fällen liegen den Schmerzen rein mechanische Ursachen zugrunde.

Schmerzverstärkende Aktivitäten sollte man kurzfristig erstmal weg lassen. Langfristig gesehen sollten diese Aktivitäten allerdings unbedingt wieder aufgenommen werden.

Wir müssen unseren Rücken vor nichts und niemanden schützen. Erstens ist das komplett überflüssig, da unser Rücken stark genug ist. Zweitens führt das nur zu Schonhaltungen, welche dann tatsächlich negative Folgen nach sich ziehen. Stattdessen sollten wir uns entspannt und selbstsicher bewegen und dem Rücken vertrauen.

Um die individuellen Rückenschmerzen besser kennen zu lernen, sollte man herausbekommen, was die Schmerzen hervorruft bzw. lindert. Dafür muss man verschiedenes ausprobieren. Das kann bspw. Pilates, Krafttraining, Sport mit Freunden oder nur schon ein Spaziergang durch den Park sein – alles, worauf man Lust hat. Manche Dehnübungen oder eine Selbstbehandlung mit einer Faszienrolle können auch gegen akute Schmerzen kurzfristig helfen.

Und wenn die Beschwerden erneut auftreten, sollte man auf keinen Fall in Panik geraten. Kleine Rückschritte gehören oft zum Heilungsprozess dazu. In der Physiotherapie bspw. bekommt man hilfreiche Tipps oder Erklärungen mit, die zum Steuern und Verstehen der individuellen Schmerzen beitragen.

Rückenschmerzen sollten auf keinen Fall mit Reduktion von Bewegung oder OPs behandelt werden. Auch starke Medikamente haben sich nicht als sehr vorteilhaft herausgestellt. Falls eine Einnahme doch unumgänglich ist, sollte man eher zu schwach dosierten Medikamenten greifen. Vorsicht geboten ist bei neuen Trends oder Produkten auf dem Gesundheitsmarkt, welche oftmals keine bewiesene Wirksamkeit haben. Mit Leid und Schmerz lässt sich gutes Geld verdienen, was viele Hersteller gerne ausnutzen. Das viele Geld sollte man sich also lieber sparen und stattdessen in neue Sportausrüstung investieren. :-)



Wenn die Schmerzen länger andauern…


Die gängige Bezeichnung hierfür lautet «chronische Schmerzen». Hierbei bedeutet das «chronisch» per se nichts schlechtes, sondern lediglich, dass die Schmerzen seit länger als 3 Monaten andauern.

Wie wir mit den Rückenschmerzen umgehen hat einen Einfluss darauf, wie lange sie dauern. Durch Vermeidungsverhalten, negative Glaubenssätze oder auch ein Ignorieren der Schmerzen kann die Dauer verlängert werden.

Schmerz ist kein Feind, sondern dient unserem Körper als Schutzmechanismus, welcher bei langanhaltenden Schmerzen zu gewissenhaft ausgeführt wird. Schmerzen sind sogar normal und eigentlich eine gute Sache, da sie uns vor einer möglichen Schädigung schützen. Schmerzen sind keine Abbildung unseres körperlichen Zustands.

Wenn Schmerzen mal länger andauern kann es sein, dass sich der Schutzmechanismus des Körpers anpasst und noch besser im uns schützen wird. Deswegen können leider auch Dinge schmerzhaft werden, die es sonst nicht waren. Das heißt aber nicht, dass es nicht wieder anders werden kann.

Sowohl bei akuten, als auch bei langanhaltenden Schmerzen, sollte man sich möglichst gut ablenken, Freunde treffen, zur Arbeit gehen – das machen, was einem Spaß macht.

Es gibt keinen Grund, sich aufgrund der Rückenschmerzen als kaputt zu bezeichnen.

Unser Rücken ist schließlich dafür gebaut, stark zu sein und etwas auszuhalten.




Aktiv sein und bleiben


Der Vorteil von aktiver Übungstherapie ist, dass wir dadurch Vertrauen in unseren Körper zurückzugewinnen. Krafttraining wappnet unseren Körper für gewisse Belastungen. Und, last but not least, tut es uns in der Regel einfach gut, wenn wir uns körperlich betätigen (Stichwort Glückshormone!). Das Tolle daran ist, dass viele verschiedene Übungsformen einen positiven Effekt auf Rückenschmerzen haben können. Die Bewegung bzw. die Übungen sollen den Leuten Spaß machen – die Hauptsache ist, dass es gemacht wird. Vielen Leuten hilft es, wenn man einen Plan erstellt, wann man welche Übung oder Sporteinheit absolviert. Generell sollte man mit verschiedenen Bewegungsformen experimentieren, sich dabei entspannen und möglichst nicht verkrampfen. Dabei gibt es kein allgemein gültiges Rezept, welches für jede Person zutrifft. Bewegung kann man mit der Einnahme von Medikamenten vergleichen. Hier gibt es jeweils eine gewisse Dosierung, auf die man achten sollte. Im Falle der Bewegung muss eben experimentiert werden, um die richtige Dosis herauszufinden. Die Bewegungseinheiten können auch wöchentlich variieren, denn eine Abwechslung macht oft mehr Freude und der Körper muss sich immer an neue Belastungen anpassen.



Literatur

Cormack B. Cor Kinetic. 2019. Available from: https://cor-kinetic.com/

O’Keeffe M, Griffin D, O’Sullivan K, O’Sullivan P, Maher C. 10 myths about back pain and how to cope when it strikes. Irish Independent; 2017.Available from: https://www.independent.ie/life/health-wellbeing/health-features/10-myths-about-back-pain-and-how-to-cope-when-it-strikes-35330563.html

Ingraham P. Complete Guide to Low Back Pain (2019). www.PainScience.com. Available from: https://www.painscience.com/tutorials/low-back-pain.php

Lehman G. Non-specific low back pain exists. You just don’t want to admit it. Available from: http://www.greglehman.ca/blog/2018/11/20/non-specific-low-back-pain-exists-you-just-dont-want-to-admit-it

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